Himmelrich-Bleicherpark, Luzern


Ort: Luzern, Stadtquartier - Bebauung Himmelrich 3 I Bauherr: abl, Allgemeine Baugenossenschaft Luzern I Architektur: Enzmann+Fischer Architekten Zürich I Projektwettbewerb 2012 1. Preis I Planung und Ausführung 2013-2018

Das Himmelrich 3, eine sanierungebedürftige Bebauung in der Luzerner Neustadt, welche zwischen 1931 und 1934 realisiert wurde, wird neu gebaut. Die Siedlung war zu seiner Zeit zwar eine architektonische Pionierleistung und erfüllte die Forderungen nach mehr Licht, Luft, Sonne und auch Grün. Allerdings ist die Zeilenbebauung heute kaum mehr ins angrenzende Blockrandgefüge integriert und wird eher als autonome Wohnsiedlung, denn als innerstädtische Bebauung wahrgenommen. Die alte Zeilenstruktur legte den Fokus primär auf bauhygienische Aspekte, vernachlässigt aber den öffentlichen Raum. Insbesondere gibt es keine klare Hierarchie von öffentlichen, halböffentlichen und privaten Aussenräumen. Der Wettbewerb war eine Chance zur Stadtreparatur. Und im Gegensatz zur heutigen Bebauung, ist die neue Setzung eindeutig städtisch. Eine grosse Blockrandfigur, als Ersatz für die nördlichen Zeilenbauten und als Gegenüber die Südzeile, welche durch ihre neue Stellung als formgebender Auftakt eine neue Bedeutung im Ensemble erhält.

Boulevard, Hof, Park. Der neue Dreiklang der öffentlichen Aussenräume wird das neue Quartier prägen und die Abfolge der eintönigen Erschliessungskorridore mit ihrer diffusen Unbestimmtheit ablösen. Das Erdgeschoss der neuen Überbauung bleibt Geschäfts- und Dienstleistungsnutzungen vorbehalten. Stadt- und Innenraum werden so miteinander verwoben und ins Quartier eingebunden.

Der neue Claridenboulevard bietet sich als vielfältiger Aufenthaltsraum an. Neben dem langsamen Individualverkehr dient der kleine Boulevard dem Einkaufen, dem sozialen Kontakt und dem Vergnügen. Auf diese Weise wird die Passage zu einem lebendigen Stück Stadtraum, einem Ort für wechselnde Aktivitäten, der Genossenschaftern wie Stadtbewohnern gleichermassen offen steht. Der Bleicherpark, wird zum verbindenden, öffentlichen Rückgrat des Quartiers, indem seine Zugänglichkeit verbessert und mit einem neuen Wegnetz besser in die Freiraumstruktur des Quartiers eingebunden wird. Der Hof des Blockrandes bildet das Gegenüber zu den öffentlichen Räumen. In erster Linie den Bewohnern zugeordnet, ermöglichen neue Zugänge und Durchbrüche eine informelle Durchwegung und die Einbindung ins Quartier.

Tödi und Claridenstrasse oder Heimatweg. Dies sind die Namen der heutigen Erschliessungswege. Der Tödi und der Clariden sind bekannte Schweizer Berge und die Namen erinnern an Gebirgstouren oder Ausflüge. Sie dokumentieren eine Heimatverbundenheit zu einer Zeit, als Ferien in entfernte Länder kaum erschwinglich waren, insbesondere nicht für die Bewohner der Genossenschaftssiedlung im Himmelrich. Dieser Geschichte möchten wir im neuen Konzept die Referenz erweisen. Bilder der Bergwelt vom Tödi und dem Clariden finden sich in der neuen Gestaltung des Boulevard und des Hofes.

Im Boulevard ist es ein Muster, abgeleitet von den Höhenkurven einer Claridenkarte, welche in artifizieller Form, als Bodenzeichnung auf den Asphalt appliziert wird. Im Hof sind es Lärchen, welche als Bäume des Hochgebirges um den Tödi, mit ihrem poetischen Erscheinungsbild überraschen. Der sinnliche Aspekt der Lärchen, welche sich je nach Jahreszeit wieder anders ausdrückt, ist allerdings nicht der einzige Grund für ihre Verwendung im Hof. Die Bäume sind anspruchslos und da sie mit einem geringem Bodenaufbau auskommen, eignen sie sich hervorragend für den Standort über der Tiefgarage im Hof.

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